Wie oft hast du diese Woche Ja gesagt?

Nicht, weil du wolltest.
Sondern weil du nicht Nein sagen konntest.

Ja zu einer Aufgabe, die nicht deine ist
Ja zu einem Treffen, auf das du keine Lust hast
Ja zu einer Bitte, die dich überfordert
Ja zu Dingen, die dich leer machen

Und jedes Mal spürst du es:

Dieses schwere Gefühl im Bauch.
Diese innere Stimme, die flüstert: „Das willst du nicht.“

Aber du sagst es trotzdem.
Ja.

Warum tun wir das?

Es fühlt sich an wie Nächstenliebe.
Wie Teamgeist.
Wie „eine gute Person sein“.

Aber in Wahrheit ist es etwas anderes:

Angst.

Angst davor:

  • Andere zu enttäuschen
  • Abgelehnt zu werden
  • „schwierig“ zu wirken
  • Nicht mehr gemocht zu werden
  • Angst vor Konflikten
  • Angst sich rechtfertigen, sich erklären müssen

Dein inneres Kind glaubt immer noch:
„Wenn ich Nein sage, werde ich verlassen.“

“Wenn ich Nein sage, mag man mich nicht mehr.”

“Wenn ich Nein sage, gibt es richtig viel Ärger.”

Und deshalb sagst du Ja.
Immer wieder.
Bis du nicht mehr kannst.

Ich erzähl dir was:

Vor vielen Jahren habe ich zu allem Ja gesagt.

Zu jeder Bitte
Zu jedem Termin.
Zu jeder Erwartung.

Ich dachte, ich wäre hilfsbereit.

Ich dachte, ich bin dazu verpflichtet.


Und dann war ich nur noch erschöpft…

Eines Tages saß ich weinend auf dem Boden meines Badezimmers.
Völlig leer. Ausgebrannt. Am Ende.

Und ich wusste:

„So kann es nicht weitergehen.“

Das Problem mit dem falschen JA:

Jedes Mal, wenn du Ja sagst, obwohl du Nein meinst…

…verrätst du dich selbst.
…gibst du ein Stück von dir auf.
…sagst du dir unbewusst: „Meine Bedürfnisse sind unwichtig.“ 

“Ich habe kein Recht auf meine Ruhe, meine Stille.”

Mein damaliges Denken:” Ich bin Mutter und MUSS wollen, alles, immer! Erziehung, Fürsorge, Ordnung, Organisation, Hingabe und und und.

Als ich dann alleinerziehend war, bekam all das noch einmal ein ganz anderes Gewicht.
Ich steckte fest in einer Schuld- und Finanzfalle.

Schuld, weil ich glaubte, in der Ehe versagt zu haben. Weil ich mir einredete, ich hätte die Familie nicht zusammenhalten können. Ja, mehr noch: dass ich sie zerstört hätte.

Gleichzeitig war da der finanzielle Druck. Das Geld musste verdient werden. Also arbeitete ich, wie so viele Frauen in dieser Situation und hatte dadurch noch weniger Zeit für alles andere.

Die Prioritäten waren klar. Sie waren es immer.
Meine beiden Kinder standen an erster Stelle. Ihr Wohlergehen hatte zu jeder Zeit Vorrang,  vor mir selbst, vor meinen Bedürfnissen, vor meiner Erschöpfung.

In meiner Situation war JA das richtige Wort. Dachte ich!

Bis ich mit Erschöpfungssyndrom ausgeknockt war. 

Ich kündigte, lebte von meinem angelegten (was ich dazu auflöste) kleinem Geld und gönnte mir 4 Monate zuhause.

Ich wollte mich nicht krank schreiben lassen. ( Damals, hatte ich andere Prioritäten und Vorbehalte, heute würde ich das anders angehen)

Ich sagte NEIN zu Überlastung und JA zu mir und meiner Gesundheit, das war meine Rettung, in allerletzter Minute. 

Heute kann ich dir aus 1.Hand sagen:

Ein Nein ist kein Angriff.
Es ist eine Grenze.

Und Grenzen sind nicht gemein.
Grenzen sind Selbstliebe.

Du darfst Nein sagen:

  • Ohne Erklärung
  • Ohne Entschuldigung
  • Ohne schlechtes Gewissen

Dein Nein ist genauso wertvoll wie dein Ja.

Vielleicht sogar wertvoller.
Weil es bedeutet: „Ich bin mir wichtig.“

Übung: Das befreiende NEIN (10 Minuten)

Teil 1: Ehrlichkeit

Schreib auf:( Du weißt ja schon, ich bin ein Fan vom schreiben, es ist nachhaltiger für das Gehirn)

„Zu was, habe ich in den letzten Wochen JA gesagt, obwohl ich NEIN meinte?“

Liste alles auf, was dir einfällt, besonders in den letzten Wochen vor und rund um Weihnachten, könnte da so einiges gewesen sein.


Auch die kleinen Dinge

Teil 2: Das Gefühl

Lies deine Liste.
Und spür in deinen Körper.

 Wo sitzt die Last?
Im Bauch? In der Brust? Im Hals?

Das ist dein Körper, der dir sagt:
„Das war zu viel.“

Teil 3: Das Neue

Such dir eine Sache von der Liste aus.
Und übe das Nein.

Stell dich vor einen Spiegel. ( Ja, ich weiß, das fühlt sich etwas albern an, aber es hat tatsächlich positive auswirkungen)

Schau dir in die Augen.
Und sag laut:

„Nein, das geht nicht.“
„Nein, das möchte ich nicht.“
„Nein, das passt mir nicht.“

Sag es zehnmal.
Bis es sich weniger fremd anfühlt.

Und dann, wenn du bereit bist:

Sag in der nächsten Woche ein einziges Nein.

Zu etwas Kleinem.
Etwas, das dich nicht überfordert, aber auch nicht mehr für dich stimmt.

Und beobachte, was passiert.

Die Welt wird nicht untergehen.
Die Menschen werden dich nicht hassen.
Aber du wirst ein Stück größer werden.

Ich weiß, das ist nicht leicht.
Ich weiß, es fühlt sich am Anfang falsch an.

Aber es ist der einzige Weg, wieder zu dir zu kommen.

Dein Ja ist wertvoll.
Gib es nur, wenn du es auch so meinst.

Herzlichst
Alexandra 

PS: Nach deinem ersten echten Nein, schreib mir. Ich feiere es mit dir. 🎉